Wenn Brot und Roggen ungesund machen – Sprue und Intoleranz gegen Gluten
June 20, 2010Kein Wurstbrot zum Frühstück, keine Nudeln am Abend? Fast jeder 400. Deutsche erkrankt unter der sogenannten einheimischen Sprue, gleichermaßen als Weizenallergie oder Glutenallergie bekannt. Der in Weizen, Roggen und weiteren Getreidesorten enthaltene Eiweißkleber Gluten löst bei den Allergikern eine Entzündung der der Schleimhaut im Darm aus, was zu einer Störung der Darmzotten führt. Da die Zotten für die Aufnahme von Nährstoffen zuständig sind, kommt es über einen längeren Zeitraum zu Mangelzuständen und einer großen Anzahl von Symptomen, u.a. Müdigkeit, Erinnerungsstörungen und Verlust von Gewicht, trotz mitunter stark erweiterter Nahrungsaufnahme.
Eine Heilungsmöglichkeit gibt es für die heutzutage häufig als Zöliakie bezeichnete chronische Erkrankung nicht, die Gründe hierfür scheinen wenigstens mitunter erblicher Natur zu sein. Die Betroffenen müssen ihr Leben lang eine glutenfreie Diät einhalten – nicht zuletzt, um ihr höheres Darmkrebsrisiko zu senken, allerdings bis es überhaupt zur Diagnose kommt, vergehen häufig Monate, oder gar Jahre. Wie bei anderen Unverträglichkeiten gegen Esswaren verursacht auch Zöliakie vor allem wenig spezifische Symptome, die wenig Hinweise auf den Ursprung geben – die Erkrankten konsumieren weiterhin trotz ihrer Unverträglichkeit Gluten und schädigen damit unbewusst sich selbst. Deshalb kommt es häufig zu Folgebeschwerden wie z.B. Intoleranz gegenüber Laktose. Nach dem Wechsel auf glutenfreie Esswaren verschwinden die Probleme allerdings in der Regel nach wenigen Wochen, die Darmschleimhaut braucht allerdings bis zu über einem Jahr, um sich gänzlich zu erholen. Die Folgeerscheinungen gehen in dieser Zeit in den meisten Fällen zurück, auch wenn Weizenbestandteile in etlichen Nahrungsmitteln eingesetzt werden, stellt eine glutenfreie Diät heute kein unüberwindbares Problem mehr dar. Denn mit der steigenden Zahl an Betroffenen hat sich über die Jahre auch ein spezialisierter Markt etabliert, der mit speziellen Produkten auf die besonderen Probleme eingeht. Jedoch betragen die Preise glutenfreier Nahrungsmittel nicht selten das Dreifache handelsüblicher Produkte. In wenigen Ländern, darunter der Schweiz, federt die Regierung die höheren Kosten daher durch einen Lebensmittelzuschuss ab; dadurch sind auch das morgendliche Wurstbrot und der Teller Nudeln kein Traum mehr.
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